Ich war zu Hause. Und ich bin zu Hause. Ende Mai wurde ich auf eine Konferenz in Zürich eingeladen. Und bevor ich von dort aus weiter nach Haiti musste, hab ich in Ettenheimmünster Halt gemacht. Zu Hause. Bei meinem Eltern, mit meiner Schwester. Wo ich aufgewachsen bin, wo 19 Jahre lang mein zu Hause war. Und es irgendwie immer noch ist. Viel zu kurz aber dafür intensiv habe ich meine Heimat genossen. Das Beste ist ja, dass “Heimat” als Wort fabelhaft zu einem sommerlichen Schwarzwalddorf passt. Meine wunderbaren Freunde mögen mir verzeihen, dass ich ihnen diesen Kurzbesuch bisher verschwiegen habe. Denn als ich gerade richtig angekommen war, sass ich auch schon wieder im nächsten Flugzeug (so dass ich mich -mit Wehmut und schlechtem Gewissen- auf exklusiven Familienurlaub beschränkt habe). Zwei Wochen später kam ich aus Haiti zurück und wieder zu Hause an. In Nicaragua. Meinem zweiten zu Hause. Dort warteten Mann, Haus und Hund, Garten und Auto, mein Patenkind, Job und Freunde auf mich. Ganz klar: mein zu Hause. Wenn ich drüber nachdenke, sicherlich nicht meine Heimat. Das wird immer die Schwarzwaldidylle sein. Aber doch mein Heim. Als ich wenige Tage später mein Geburtstagspäckchen auspackte, haben mich meine besten Freundinnen daran erinnert, dass ich bald “nach Hause” kommen muss, weil man mich dort erwartet: 111 Orte, die man in Köln kennen muss, die Köllner U-Bahn-Stationen-Tapete, das Köln-Frühstücksbrettchen und der Dom-Schwamm sollten mein Heimweh wecken. Und sie haben es getan! Denn als wäre es nicht genug, zwischen Nicaragua und Schwarzwald hin und her zu hüpfen, ist da ja auch noch meine rheinische Grossstadt, vor allem aber Köln-Ehrenfeld. Wo ich immer noch als “Frau Nachbarin” angesprochen werde -von einer der besten Kölnerinnen (zugezogen), die es gibt. Wo drei fleissige Heimweh-Produzentinnen den Wohnungsmarkt und die Jobangebote für mich beobachten. Und ein viertes Bier beim Grillen kaltgestellt wird.
So kommen sie zusammen, das Heimweh, das Fernweh, die Heimat und das zu Hause. Ich reihe sie hintereinander auf, lebe im einen und freue mich auf das Andere. Und an meiner Wohnzimmerwand hängen der Fernsehturm und der Bahnhof Ehrenfeld, neben den Schiffsbilder von Ronalds Sohn (Dauermotiv ist die Fähre, die den Nicaraguasee überquert), und gegenüber an der Wand zwei Mohnblüten aus dem Garten in Ettenheimmünster.



