Santa Ana, El Salvador
Vor der Zimmertüre Mädchengelächter, gerade ging die Musik noch einmal an. Das Geklapper von Flipflops hallt durch das große Treppenhaus und macht vor der dünnen Zimmerwand nicht Halt. Es ist Abend im Mädchenhaus des Kinderheims in El Salvador, ich sitze auf dem Bett im Gästezimmer und während sich über 200 Mädchen baden und in ihre Schlafanzüge schlüpfen, nutze ich diese Minuten dazu, endlich einmal wieder zu schreiben.
Gestern Abend bin ich angekommen, wie immer herzlich empfangen und bestens versorgt worden. Auf dem Weg vom Flughafen ins Heim wider besseren Wissens Pupusas zum Abendessen gegessen, gefüllte Maistortillas. Bisher keine Reaktion von meinem Magen darauf, ich hoffe, dass das so bleibt. Denn mit El Salvador hat er sich in der Vergangenheit ziemlich schwer getan. Was mich in die glückliche Situation gebracht hat, seit meinem letzen Besuch hier wieder in die davor zu enge Hose reinzupassen.
Das Heim wird am Montag 10 Jahre alt. Und das wird mit Volleyball/Basketball/Fussball-Turnieren, Gottesdienst und Spielen sowie Festessen für alle gefeiert. Ich bin gespannt und habe mich für eines der Mitarbeiter-Teams (entweder Volley- oder Basketball) gemeldet.
In Nicaragua: Alltag. Und das auf keinen Fall negativ gemeint. Ich liebe Alltag, nach einem rastlosen Jahr. Morgens aufstehen, ins Büro fahren/laufen (ich MUSS ein Fahrrad kaufen, sobald ich aus El Salvador zurückkomme), abends nach Hause fahren/laufen und nach ein bisschen lesen oder Fernsehen ins Bett fallen. Ab und zu drehe ich mit meinem Liebsten noch eine Runde und trinke ein Gute Nacht Bier in einer kleinen Bar am Park, oder wir gehen Abendessen. Oft bei Doña Ivania, die eine köstliche Suppe kocht. Am Wochenende ein Ausflug ins Baseballstadion oder an den Strand (Samstags vormittags arbeite ich meistens noch), vor kurzem bin ich nach Managua gefahren um Freunde zu besuchen und um zu shoppen.
Mein Alltag ist ruhig (abgesehen von Arbeitsreisen ein bis zwei mal im Monat), und ich schätze das Dorfleben. Auch wenn ich nach Managua fahren muss (2 Stunden Fahrt) um in einem mit Importprodukten ausgestatteten Supermarkt (Käse, Salami, Duschgel, Nutella, Pesto usw.) einkaufen zu können.
Während dessen verkündet Präsident Ortega drastische Budgetkürzungen, denn ohne Gelder aus der Entwicklungshilfe (die er vor wenigen Monaten noch großspurig abgelehnt hat) und ohne Öl-Geld aus Venezuela wird´s knapp. Außerdem hat die EU noch einmal 60 Mio USD eingefroren, bis die Vorwürfe des Wahlbetrugs bei den vergangenen Kommunalwahlen geklärt sind. Die Essensausgabe an öffentlichen Schulen wurde bereits gestrichen.
Eine Freundin von mir, Hochschulabsolventin mit guten Englischkenntnissen und Arbeitserfahrung, denkt übers Auswandern nach Spanien nach. Sie hat einen ehemals gut bezahlten Job in der Kundenbetreuung bei einer der beiden Mobiltelefongesellschaften im Land. 6 Tage die Woche, mindestens 50 Stunden, Ausstempeln bei jeden Gang auf die Toilette, geringes Basisgehalt und Erfolgsprämien. Sie hat selbst einmal gesagt, es sein von den Bedingungen gar nicht so anders als die Arbeit in den Freihandelszonen. Trotzdem einer der besser bezahlten Jobs. Mit zunehmender Wirtschaftskrise aber steigt der Druck, werden die Prämien gekürzt. Und Bedienung oder Haushaltshilfe, als illegale Einwanderin in Spanien, scheint die bessere Alternative. Und dann fragt sie mich um Rat. Diejenige, die vor zwei Monaten von Deutschland nach Nicaragua ausgewandert ist, einen gutbezahlten Job hat und es dort wunderschön findet.



http://www.youtube.com/watch?v=k2BdOxYfXWQ